Polarforscherin Birgit Lutz beim Neujahrsempfang im Reitstadel

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Die Neumarkter Polarforscherin Birgit Lutz beim Eintrag ins goldene Buch der Stadt Neumarkt

13. Neujahrsempfang der Stadt Neumarkt i.d.OPf

Wie in den vergangenen Jahren auch, begrüßte Oberbürgermeister Thomas Thumann zusammen mit seiner Gattin Carolin die Besucher des Neujahrsempfangs 2020 persönlich mit Handschlag.

Im Anschluss daran eröffnete Thumann mit seiner traditionellen Neujahrsansprache den Festabend.

Er wies daraufhin, dass Neumarkt entgegen aller Prognosen seit Jahren ein deutliches Bevölkerungswachstum zu verzeichnen hat. Zum Jahresbeginn 2020 haben aktuell 40.643 Einwohnern ihren Hauptwohnsitz in Neumarkt.

Besonders ärgerlich fand Thumann auch die vielen negativen Kommentare in den sozialen Medien.

„Egal ob wir die Auszeichnung „Hauptstadt des fairen Handels in Deutschland“ erhalten, ein großes Wohnbauprojekt abgeschlossen haben oder verkünden, dass wir die Gebühren nicht erhöhen – es tauchen bissige, teils bösartige Kommentare auf“ so Thumann.

In den Mittelpunkt stellte Thumann auch das für ihn wichtigste Projekt in seiner Amtszeit, die Entwicklung Neumarkts als Hochschulstandort.

„Derzeit laufen am Residenzplatz bereits die Vorarbeiten für den Abriss der Altgebäude. Anschließend werden wir die bestehende Tiefgarage erheblich ausweiten und dadurch zusätzliche Stellplätze vor allem für die Anwohner gewinnen, bevor dann überirdisch ein Hochschulgebäude erstellt wird, in das der jetzt noch im Haus St. Marien untergebrachte Studiengang „Management in der Biobranche“ der Technischen Hochschule Nürnberg einziehen kann“ so Thumann.

Birgit Lutz Polarforscherin und Journalistin

Nach der Neujahresrede stand die gebürtige Neumarkterin Birgit Lutz im Zentrum der Aufmerksamkeit.

Sie hat am Willibald-Gluck-Gymnasium ihr Abitur gemacht. Nach ihrem Journalistik-Studium folgten Engagements für das ZDF in Rio de Janeiro und beim Spiegel in Hamburg bevor sie 15 Jahre bei der Süddeutschen Zeitung (SZ) in München arbeitete.

Im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der SZ war sie 2007 auf einer Eisbrecherfahrt zum Nordpol. Diese Region und die Eindrücke haben sie dabei so beeindruckt, dass sie ihr berufliches Augenmerk immer mehr darauf gerichtet hat. „Ich habe mich seitdem auf die hohe Arktis spezialisiert und unter anderem noch einmal ein Studium begonnen“, so Birgit Lutz über die Wendung in ihrem Leben.

Sie hat Grönland genauso durchquert wie die Finnmark in Skandinavien, sie hat mehrere Monate bei den Bewohnern in Ostgrönland gelebt und immer wieder Touren im Norden unternommen. Inzwischen arbeitet sie als Guide auf kleinen touristischen Expeditionsschiffen in der russischen Arktis, auf Spitzbergen und in Grönland. Mehr als 60 Reisen in die Arktis hat sie unternommen und sie war 15 Mal am Nordpol.

„Grenzerfahrungen“ ein Vortrag über ihre Grönlandtour 2013

Im Mai 2013 machte sie sich zusammen mit Thomas und Hannes auf den Weg, Grönland auf dem „Normalweg“, von Westen nach Osten, von Kangerlussuaq nach Isortoq zu durchqueren.

„Eine solche Durchquerung ist heute eigentlich nichts Besonderes mehr“ so Lutz. Für Sie wurde es allerdings eine besondere Reise. Geplant war die Durchquerung zuerst zu zweit, mit ihrem langjährigen Bekannten Hannes, bevor sie Thomas kennenlernten und man sich kurzfristig entschied zu Dritt zu gehen.

Thomas erwies sich während der Reise als Problem, da er grundsätzlich immer schneller ging als Birgit zusammen mit Hannes und so immer meistens eine Kilometer Vorsprung hatte. Das war dem Teamgedanken nicht unbedingt förderlich.

„In Grönland lernte ich die Dynamik in einem geschlossenen System kennen, die diejenigen kennen, die in entfernten Forschungsstationen arbeiten: Niemand kann hinaus, niemand kommt dazu. Kein neues oder verschwindendes Glied bremst oder beschleunigt oder verändert die Dynamiken in dem System. Das Ganze in einer potenziell lebensfeindlichen Umgebung, in der alle Teilnehmer aufeinander angewiesen sind. Psychologisch ist das eine der anspruchsvollsten Situationen, der man sich aussetzen kann“ so Lutz.

Aber nach rund 560 Kilometer, gelaufen in 30 Tagen durch die Monotonie des Grönlandeises kamen dann doch alle drei in Isortoq an.

Mit ihrem spannenden und emotional gehaltenen Vortrag begeisterte Birgit Ludwig die Gäste im Reitstadel und bekam im Anschluss verdient viel Applaus.

„Stille Helden 2019”

In einem Filmportraits wurden die nachfolgend genannten stillen Helden 2019 vorgestellt:

Kategorie Einzelperson: Frau Lucie Paul

Frau Lucie Paul ist sehr vielfältig in verschiedensten Einrichtungen und Vereinen aktiv. So ist sie tätig für den Seniorenbeirat sowie den Kneipp-Verein und engagiert sich im Leb-mit-Laden. Sie unterstützt eine Yoga-Gruppe sowie eine Sitzgruppe im Tiroler Hof und leitet einen Gedächtniskurs.

Kategorie Einzelperson: Herr Tobias Kremmel

Herr Tobias Kreml ist seit vielen Jahren für den SV Pölling als Schiedsrichter aktiv. Er hat zudem ein Benefizspiel organisiert und sich in diesem Rahmen um die Werbung sowie das gesamte Marketing gekümmert.

Kategorie Organisation: Fair Kultur Café e.V.

Der Fair Kultur Café e.V. betreibt das Café Immergrün im Burgerhäusl. Das gesamte Team ist ehrenamtlich tätig und setzt sich in besonderem Maße für eine nachhaltige Entwicklung in Neumarkt ein. Ein umfangreiches Programm und viele praxisbezogene Workshops gehen über den eigentlichen Café-Betrieb weit hinaus.

Im Anschluss bekamen alle die Auszeichnung „Stille Helden“, übrigens eine Initiative der Freiwilligen Agentur Neumarkt zusammen mit der Stadt Neumarkt.

Der offizielle Teil wurde mit einer weiteren Musikeinlage vom Feuerbach Quartett beendet, bevor es zum Stehempfang ins Foyer ging.

Impressionen vom Neujahrsempfang 2020