Friedlich strömten am Sonntagabend rund 30.000 junge und jung gebliebene Grönemeyer Fans zum Nürnberger Easycredit Stadion. Kein Gedränge, kein Geschiebe, es herrschte entspannte Sommernachtspartystimmung rund um das ehemalige Frankenstadion.
Passend zum Wetter gab es im Innenraum des Stadions eine Bar Brasil mit erfrischenden Sommerdrinks. Wer es etwas gediegener liebte, konnte das Konzert auch bei einem Glas Wein oder Sekt genießen. Die meisten Besucher entschieden sich aber dann doch für ein gut gekühltes Helles oder ein Radler.
Als Vorband fungierte ab 19.00 Uhr für eine Dreiviertelstunde der Thüringer „Clueso“ alias Thomas Hübner. Bekannt wurde der 28-jährige durch seinen Auftritt als Newcomer bei Stefan Raabs Bundesvision Songcontest. Dort belegte er mit seinem Song „Kein Bock zu geh’n“ auf Anhieb den siebten Platz.
Gegen 20.30 Uhr war es dann „Fünf vor Zwölf“, zumindest auf der Bühne. Eine riesige, auf den Bühnenhintergrund projizierte Uhr signalisierte den nahen Konzertbeginn. Punkt 12 Uhr tauchte ein schwarz-weiß gekleideter energiegeladener Grönemeyer auf und lud mit „Kopf hoch tanzen“ seine Fans zum Tanzen ein.
Der lange Laufsteg der riesigen Bühne ragte sehr zur Freude der Fans gut 35 Meter in das Stadioninnere. Mühelos und konditionsstark legte ein fröhlicher und gut gelaunter Herbert Grönemeyer die Strecke im Lauf des Abends viele Male zurück und hielt somit immer den direkten Kontakt zu seinen Fans.
Auch wenn dem 51-jährigen Sänger, Songschreiber, Schauspieler und Label-Betreiber keine BH´s mehr entgegen fliegen, so zeigten doch kleine Bärchen und rosa Schweinchen die persönliche Verbundenheit seiner Fans in Nürnberg.
Geschickt mixte Grönemeyer alte sowie auch neue Songs aus seinem aktuellen Album „12“. Bei „Bochum – du hast einen Pulsschlag aus Stahl“ waren dann alle Hände oben, besonders die der Bochumer Fans, erkennbar am entsprechenden Schal. Als er dann noch einen seiner bekanntesten Kultsongs „Alkohol“ nachlegte und eine mit sehr viel Fußarbeit versehen Bühnenshow ablieferte, war die Begeisterung perfekt.
Gegen 21.00 Uhr kam dann auch langsam die groß angelegte Lichtshow zur Geltung. Nicht zu aufdringlich, aber doch eindrucksvoll, tauchte sie die Bühne immer wieder in das zur Musik passende Licht.
Mit der Nummer acht seines aktuellen Albums „Ohne Dich“ ging Grönemeyer im Vorfeld des Songs auf die Schwierigkeiten vieler Paare ein, sich zu trennen auch wenn das offensichtlich die beste Lösung wäre. Zu diesem Song tanzte er mit gekonntem Hüftschwung über die Bühne und erntete dafür viel Applaus.
Bei „Der Weg“ aus seinem 2002 veröffentlichtem Album „Mensch“ kehrte schnell Ruhe ein und die Stimmung wurde melancholisch. Zu „Bleibt alles anders“ stiegen dann im Anschluss viele hundert silberne Luftballons in den Himmel und machten sich auf eine unbekannte Reise.
Als es mit „Mensch“ vom gleich lautenden Album weiterging, hielt es dann auch die Zuschauer auf der Tribüne nicht mehr auf ihren Sitzen. Mit „Liebe liegt nicht“ beendete Herbert Grönemeyer dann nach rund 80 Minuten sein Konzert und sorgt so für etwas Verwirrung bei seinen Anhängern.
Aber die erste Zugabe lies natürlich nicht lange auf sich warten. Ein rundes „Ufo“ mit blauen Strahlern senkte sich in Richtung Bühne, bevor es mit „Letzter Tag“, „Was soll dass?“ und „Zum Meer“ weiterging. Die Bühne wurde in blaugrünes Licht getaucht und das textsichere Publikum sang alle Lieder in voller Lautstärke mit. Nach drei Liedern war wieder Pause bis zur zweiten von den Besuchern geforderten Zugabe.
Bei „Land unter“ ging Grönemeyer mit seiner Gitarre wieder auf den Laufsteg und suchte den direkten Kontakt zu seinen Fans. Danach folgte noch „Du bist Die“ und „Selbstmitleid“ bevor es zur dritten Zugabe kam.
Die Fans begrüßten ihren Star mit einer Laola-Welle und Grönemeyer machte begeistert mit. „Flugzeuge in meinem Bauch“ wurde dann lautstark mitgesungen, im Bühnenhintergrund sah man einen papierfliegerbauenden Grönemeyer. Nicht fehlen durfte natürlich der Erfolgssong des Jahres 2006 schlechthin „Zeit das sich was dreht“. Gerne erinnerte man sich an die begeisternden Bildern der Fußball WM2006 zurück.
Mit „Vollmond“ und „Zur Nacht“ entließ Herbert Grönemeyer nach gut zweieinhalb Stunden seine mehr als begeisterten Fans auf den Heimweg. Ein großer weißer Stern auf der Bühne wies allen den Weg nach Hause durch eine lauschige Sommernacht.
Rundum kann man wohl sagen, dass es Herbert Grönemeyer am Sonntagabend mit seiner besonderen Ausstrahlung und seinen vielen Erfolgssongs problemlos geschafft hat, sein Publikum für sich zu begeistern. Auch die besonders ruhige und friedvolle Atmosphäre wird wohl vielen Besuchern in positiver Erinnerung bleiben. Nicht viele schaffen es Stadien zu füllen, Herbert Grönemeyer ist einer davon!
