Vortrag zum Thema „Wald im Klimawandel“ bietet viel Stoff zum Nachdenken

Ein aktuelles und viel diskutiertes Thema griff die Kreisgruppe Neumarkt mit einem Vortrag im Neumarkter Johanneszentrum über die Zukunft der Waldbewirtschaftung im Klimawandel auf. Dr. Christian Stierstädter, Waldreferent des LBV-Landesverbandes, beleuchtete, wie die Forstwirtschaft aus Sicht des Landesbundes für Vogelschutz mit den Folgen des Klimawandels umgehen sollte.

Die klimatischen Bedingungen haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten deutlich verändert. Die Sommer sind trockener und heißer geworden, Niederschläge fallen unregelmäßiger, Stürme und Schädlingsbefall nehmen zu. Die heimischen Baumarten haben in unterschiedlichem Maße Schwierigkeiten, mit diesen veränderten Bedingungen umzugehen. Prognosen sind aber nach Meinung vieler Experten mit großen Unsicherheiten behaftet.

Nach Auffassung von Christian Stierstorfer besteht die Chance, dass es in Bayern wegen der Vielfalt an heimischen Waldgesellschaften genügend Potenzial gibt, dass sich der Wald insgesamt anpassen kann, wenn es auch eine Verschiebung bei den Baumarten geben wird. Die Fichte, aber auch die Kiefer werden wahrscheinlich Schwierigkeiten haben, großflächig zu überleben. Ungewiss ist, wie die Buche als Leitbaumart in Mitteleuropa mit dem Klimawandel fertig wird.

Um beobachten zu können, ob und wie sich die Natur selbst hilft, hält der LBV ein Netz von größeren und kleineren Waldgebieten für notwendig, in denen die Forstwirtschaft ruht. Diese Gebiete sind auch für die Artenvielfalt von hoher Bedeutung, weil dort Bäume ohne Eingriffe des Menschen alt werden und absterben können, ein Prozess, der im Wirtschaftswald in der Regel nicht geduldet wird.

Wie ein Blick auf den Nationalpark Bayerischer Wald zeigt, ist die Natur immer wieder für Überraschungen gut: Befürchtete man nach dem großflächigen Absterben der Fichtenbestände durch den Borkenkäferbefall vor etwa 20 Jahren eine Waldsteppe, wenn der Mensch nicht wieder aufforstet, hat sich dort heute ein natürlicher und strukturreicher Wald etabliert.

Im Gegensatz dazu sind die Flächen im Erweiterungsgebiet des Parks, auf denen wegen des Drucks der Öffentlichkeit die Bäume mit Harvestern aufgearbeitet und entfernt wurden, weitgehend unbewaldet geblieben.

Auch auf kleinen Waldflächen könne man kleine Wildnisinseln zulassen, in denen die Naturverjüngung trotz Wildverbiss besser funktioniert als im aufgeräumten Forst, so Stierstorfer.

Der LBV begrüßt es ausdrücklich, dass die Bayerische Staatsregierung in jüngster Zeit mehrere größere Waldschutzgebiete ausgewiesen hat, beispielsweise im Bereich der Weltenburger Enge. Auch die Bayerischen Staatsforsten erarbeiten Naturschutzkonzepte und versuchen, sehr alte Bestände dauerhaft zu schützen.

In der anschließenden Diskussion, an der sich auch hochrangige Vertreter aus dem Bereich der Forstwirtschaft zu Wort meldeten, wurde übereinstimmend betont, dass Vertreter des Naturschutzes und der Forstwirtschaft trotz unterschiedlicher Sichtweisen zusammenarbeiten sollten.

Es habe sich, so ein Teilnehmer, die ökologische Situation im Wald in den letzten Jahrzehnten durchaus verbessert, was insbesondere am Bestand bedrohter Waldvogelarten abzulesen sei. „Was uns noch am Herzen liegt, wäre ein Naturwaldreservat im Landkreis Neumarkt,“ war ein aus dem Publikum geäußerter Wunsch.