Rund 180 Gäste folgten gestern Abend der Einladung des G.NE.T Business Clubs zum Club-XpertenGESPRÄCH KI 3.x „Antworten aus der Praxis…“ ins Neumarkter Landratsamt. Nach einführenden Worten von Staatsminister a.D. Eberhard Sinner, Landrat Willibald Gailler und Staatsminister Joachim Herrmann startete der Expertentalk, moderiert von Ed Sheldon.
Das zentrale Fazit des Abends: Künstliche Intelligenz ist kein Selbstzweck – sie ist ein strategisches Werkzeug.
Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll: Künstliche Intelligenz ist längst mehr als ein Trend – sie ist ein strategisches Werkzeug. Gleichzeitig wurde deutlich, dass rund 95 % aller KI-Projekte scheitern, wenn sie ohne klares Problemverständnis gestartet werden. Die zentrale Botschaft des Abends lautete daher: Nicht „Wir machen jetzt KI“, sondern „Welches konkrete Problem lösen wir?“
KI bedeutet in der Praxis vor allem, Entscheidungsprozesse schneller, günstiger und konsistenter zu machen. Besonders im Mittelstand liegen enorme Potenziale – etwa bei administrativen Prozessen, der E-Mail-Verarbeitung, Angebotskalkulationen oder Dokumentationen. Praxisbeispiele aus dem Handwerk zeigten, wie durch einfache, pragmatische KI-Lösungen mehrere Stunden Nacharbeit pro Vorgang eingespart werden können. Entscheidend ist dabei: kleine, klar abgegrenzte Projekte statt großer Prestigeinitiativen.
Ein weiterer Schwerpunkt war der drohende Wissensverlust durch die Rentenwelle. Ein Viertel der Erwerbstätigen ist über 55 Jahre alt – ein Großteil des wertvollen Erfahrungswissens steckt undokumentiert in den Köpfen. KI kann hier als „digitales Expertengedächtnis“ fungieren: Videos analysieren, Fachwissen strukturieren, Interviews mit Experten führen und implizites Wissen langfristig sichern. Das verkürzt Einarbeitungszeiten drastisch und macht Prozesse unabhängiger von einzelnen Schlüsselpersonen.
Neben Effizienz und Wissensmanagement standen auch Souveränität und Sicherheit im Fokus. Die Abhängigkeit von internationalen Tech-Konzernen, Fragen der Datennutzung sowie der EU AI Act zeigen: KI erfordert Governance, Transparenz und klare Regeln. Gleichzeitig wurde betont, dass Compliance pragmatisch umsetzbar ist – etwa durch Checklisten, Schulungen und klare Verantwortlichkeiten.
Fazit des Abends: KI wird weder die Welt retten noch Arbeitsplätze massenhaft vernichten. Sie ist ein Werkzeug – kraftvoll, aber kein Selbstzweck. Wer strukturelle Probleme identifiziert, klein startet, Datenqualität sicherstellt und Mitarbeitende mitnimmt, kann KI gewinnbringend einsetzen. Die größte Chance liegt nicht im Hype, sondern im klugen, strategischen und verantwortungsvollen Einsatz.
