Es ist eine Mischung aus Vernissage, Bardentreffen und Gartenparty: Kunst im Dorf in Oberhembach. Zum sechsten Mal öffnete der Kunststadel das Scheunentor, Bilder, Plastiken, Installationen und sehenswerte Performance auf der Bühne bildeten den Rahmen für ein Event, das längst den belächelten Dorfgeruch abgeschüttelt hat.
Da entsteht im Niemandsland zwischen Oberpfalz und Franken eine „Künstlerkolonie“, die sich trotz aller Qualität der vorgestellten Arbeiten immer noch selbst auf die Schippe nehmen kann. Die Präsentationen wirken leicht und „konsumierbar“ und sind doch absolut ernst zu nehmen. Die Flächen im Stadel und Garten sind verwinkelt und überraschen durch immer neue Ein- und Ausblicke. Die Vielfalt der präsentierten Arbeiten überraschen. Von Filz- und Stoffobjekten über Aktzeichnungen bis zum großflächigen Acrylbild ist alles vertreten, ohne beliebig zu wirken. Die einzelnen Künstler können ihren eigenen Stil präsentieren, die Ausstellung wirkt abwechslungsreich und spannend.
Stellenweise wird der Besucher selbst zum Teil des Kunstwerkes. Wenn da im Garten ein Sofa samt Stehlampe an der Hauswand steht, an der noch passend zwei Bilder aufgehängt sind, dann wird die Freifläche zum Wohnzimmer und die ausruhenden Besucher auf dem Sitzmöbel zu Familienmitgliedern in der guten Stube.
Lockere Atmosphäre ist angesagt. Man sitzt vor der Bühne im Gras, schlürft Rotwein und bewundert gekonnte Modern-Dance-Einlagen, oder geht drei Schritte um Harfenklängen zu lauschen oder mit anderen Gästen über die eine oder andere Installation zu diskutieren. Kunst und Künstler zum Anfassen – ein Konzept, das aufgeht.
Doch so gut die Organisation auch klappte – schließlich verdoppelte sich innerhalb weniger Stunden die Einwohnerzahl von Oberhembach – es gibt noch Verbesserungsmöglichkeiten fürs nächste Jahr. „Wir brauchen mehr zu Essen. Ab zehn Uhr abends war nichts mehr da.“ sagt Renate Rüd, die treibende Kraft hinter der Veranstaltung. Wie jedes Jahr hat sie schon eine Liste mit Anregungen für das nächste „Kunst im Dorf“ gemacht. Wer sich darauf freut, die Bilder dieses Jahres wieder zu sehen, wird jedoch enttäuscht werden. Jedes Jahr dürfen in Oberhembach nur neue Arbeiten präsentiert werden, was eine stetige Fortentwicklung garantiert.
Text: Reinhard Wagner
