Einen Architektourbus gab es mangels Bauobjekte im Frühjahr 2008 zwar nicht, aber das ist kein Grund für Johannes Berschneider den Neumarktern nicht aktuelle Bauprojekte in Neumarkt zu präsentieren.
Unter dem Motto „Baustelle betreten!“ konnten interessierte Bürger sich am vergangenen Samstag ein Bild über den Fortschritt der Arbeiten im geplanten Maybach-Museum machen.Aktuelle Informationen zum Maybach Museum finden Sie hier…Das Pilotprojekt „Baustelle Betreten!“ soll interessierten Bürgern aktuelle Hintergrundinformationen zur Bausituation liefern. Dass das Interesse an Architektur in Neumarkt groß ist, zeigen ja die Teilnehmerzahlen des zweimal jährlich stattfindenden Architektourbuses. Deshalb fanden sich bereits zur ersten Führung um 13.00 Uhr rund achtzig architekturinteressierte Neumarkter ein.
Kurz vor dem endgültigen Abbruch der ehemaligen Expresswerke Neumarkt vor rund zwei Jahren gelang es buchstäblich in letzter Minute dem Maybach Liebhaber Dr. Helmut Hofmann aus Neumarkt den Gebäudekomplex an der Ingolstädter Straße zu erwerben und somit ein Stück Neumarkter Geschichte zu bewahren.
Leider konnten nicht mehr alle Gebäude gerettet werden, aber das, was bis zum heutigen Tag saniert wurde, kann sich wirklich sehen lassen. Fast komplett renoviert sind circa 900qm Bürofläche auf einer Länge von 90 Metern parallel zur Holzgartenstraße. Die Mieter dieser Flächen finanzieren indirekt durch ihre Mietzahlungen den für 25 Jahre garantierten Museumsbetrieb mit.
Die seit eineinhalb Jahren andauernden Renovierungsarbeiten sollen termingerecht zur Eröffnung im März 2009 abgeschlossen sein. Besonders hervorzuheben ist, dass nur Firmen aus dem Landkreis Neumarkt für dieses Projekt bestellt wurden.
Der gesamte Gebäudekomplex wird einheitlich in grau und weiß gehalten sein. Dezent und modern mit viel Licht. So kommen die alten Elemente gut zur Geltung. Zu großen Teilen wurden im bereits renovierten Bürotrakt alte Elemente restauriert, z.B. alte Türen, Stuckdecken, ein alter Aufzug, Glastrennwände, alte Fliesenböden und Holztreppen. Ein 100 Jahre alter Holzboden wurde ebenfalls freigelegt. Alle Versorgungseinrichtungen sind hinter Trennwänden und Türen verborgen. Das Dach wurde ausgeglichen, verstärkt und neu in Schwarz gedeckt.
Den 1. Stock hat bereits vollständig die Firma ECS, eine Unternehmensberatung für Großfirmen, mit 55 Mitarbeitern bezogen. Besonders beeindruckend ist der 60 Meter lange Flur. Alte restaurierte Glastrennwände machen alles hell und freundlich. Stahlgusssäulen (Volleisen gegossen) stehen gereinigt und freigelegt im Raum, setzen Akzente und integrieren sich perfekt in die moderne Bürolandschaft.
Im Erdgeschoss hat sich die Firma GeoCell eingemietet. Die Firma ist von Nürnberg nach Neumarkt gezogen und vertreibt mit ihren 20 Mitarbeitern Erdwärmesysteme. Die Firmengäste sind jetzt schon begeistert. Große Bauträger kommen bundesweit zu Besuch.
Ebenfalls im Erdgeschoß des Bürogebäudes sind Ausstellungsräume für Edel-Küchen geplant, damit auch für die angeblich nicht so Oldtimer-interessierte Damenwelt im Rahmen von Koch-Events etwas geboten ist. Das Klischee „Frauen gehören hinter den Herd, Männer hinters Steuer“ wird hier zu 100% bedient.
Richtung Stadtwerke wurde zur optischen Abtrennung eine hohe Trenn-Mauer errichtet. Der Innenhof wurde Altlasten-frei gemacht und wird als Straßenkulisse aufgebaut. Beim Austausch des Bodens wurden alte Produktionsteile der Fahrradfabrik und Bombenteile gefunden.
Das Mittelhaus im Innenhof wird als eigentliche Ausstellungshalle ausgebaut. Dabei wird alles Ton-in-Ton graphit und weiß gehalten. Ausgestellt werden sollen 16 Maybach-Fahrzeuge in verschiedenen Bauzuständen und zusätzlich Maybach-Motoren. Weitere Exponate sind geplant
Neben der Maybachausstellung ist auch eine entsprechende Fläche für die Exponate der ehemaligen Expresswerke reserviert. Die bereits bestehende Express Ausstellung im Stadtmuseum wird allerdings erhalten bleiben.
Inzwischen wurde auch die Gastronomie fest vergeben, die sich mit einer Seite nach außen zur Ingolstädter Straße erstreckt. Ein Freisitz ist im Innenhof des Geländes geplant. Um den industriellen Charakter zu unterstreichen, wird im Gastronomiebereich, im Turm sowie im Foyer mit Betonestrich gearbeitet, der als Sichtbeton-Fußboden bleibt. Ergänzend bieten variabel abtrennbare Tagungsräume die Möglichkeit für Schulungen und private Feiern im Museumsambiente.
Um die Unterhaltskosten möglichst gering zu halten, wird mit Erdwärme und Solarenergie (25kW) geheizt. Für die Erdwärmegewinnung wurden im Innenhof insgesamt 1400 Meter Bohrlöcher in 35 Meter Tiefe gegraben. Die Erdwärme macht 40% der Energiegewinnung aus. Zusätzlich wird eine Wasserreinigungsanlage und ein Regenwassersammler installiert.
Das Museum mit seinen zusätzlichen Attraktivitäten und geplanten Events wird in Zukunft bestimmt ein Anziehungspunkt für Einheimische, Touristen und auch der Gäste der dort ansässigen Firmen werden.
In seinem Endausbau wird der Gebäudekomplex auch eine Autogarage für Oldtimer beherbergen. Im Areal Maybach-Museum werden nach seiner Fertigstellung rund 200 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz bei unterschiedlichsten Firmen haben.
Wir wünschen der Familie Hofmann weiterhin viel Erfolg bei ihrem Vorhaben.
