Arktis Expedition nach Russland und Alaska

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Ein Leserbericht von Jochen Muench

Das vierte Mal nach der Antarktis / Südsee Expedition begab ich mich an Bord der Ponant Yacht „Le Boreal“, um eine weitere extrem abgelegene Region zu erkunden. Vor der Kreuzfahrt hatte ich noch die Gelegenheit die sehr sehenswerte Stadt Seattle für ein paar Tage zu besichtigen. Das Wetter war typisch für die Region und ich hat ausreichend Gelegenheit das zweie Mal nach 19 Jahren die Stadt und das Boeing Werk zu besichtigen.

Mit einem Charterflieger vom Miami Int. Air flogen wir von Seattle nach Nome, Alaska und erreichten diese bei strahlend blauen Himmel. Rein wettertechnisch ein Traumstart und in dieser Gegend nicht unbedingt zu erwarten. Auch die Temperatur war noch angenehm und wir hatten vor der Einschiffung ein paar Stunden Zeit um die Stadt zu erkunden. Diese war eindeutig geprägt vom rauen Polarklima, der Beringsee und bot neben einem sehr sehenswerten Museum, einer Kirche nicht all zu viel. Am späten Nachmittag gingen wir an Bord des Expeditionsluxusschiffes und ich fühlte mich sogleich wieder wie zuhause. Die überwältigenden Erlebnisse der letzten drei Ponant Kreuzfahrten sind noch tief im Herzen verwurzelt. Am Abend verliesen wir amerikanischen Boden und steuerten bei traumhaftem Wetter in Richtung Russland.

In der Nacht überquerten wir die Datumsgrenze und verloren so über Nacht einen Tag und mussten die Uhr um vier Stunden zurückstellen. Schon ein wenig seltsam, einen Tag ( 19.09.2019 ) nicht erlebt zu haben. Beim Überqueren der Beringsee hatten wir Glück und es war relativ wenig Seegang. Nach einer langen Nacht erreichten wir bei gutem Wetter Provideniya in Russland. Der kleine Ort ist der Zugang zur Chukotka Halbinsel und diente früher als Militärstützpunkt. Nach einigen verpflichteten Einweisungen und Erklärungen zur Expedition gingen wir mit den Zodiacs gegen Mittag an Land. In Provideniya besuchten wir einen sehenswerten direkt an der schroffen Küste liegenden Friedhof, ein Leuchthaus und ein unerwartet beeindruckendes Museum zur Geschichte und Kultur der Halbinsel. Der Besuch wurde durch tolle russische Tanzshow abgerundet. Der Ort an sich hat schon bessere Zeiten erlebt und wirkt wie ein Relikt aus der Vergangenheit. Am späten Nachmittag ging es zurück aufs Schiff und wir hatten noch ein wenig Zeit, um uns für das traditionelle, elegante Gala Dinner in Schale zu werfen.

Am Morgen erreichten wir bei abermals guten äußeren Wetterbedingungen das östlichste russische Festland an Cape Dezhnev. Auf dem Weg wurden wir von unzähligen Vögeln begleitet und sichteten auch das erste Mal Grauwale und Walrosse. Am Morgen gingen wir bei auffrischendem Wind und spürbar kälteren Temperaturen mit den Zodiacs an Land. Die Sonne lies die wunderschöne, schroffe Landschaft erstrahlen und wir verbrachten viel Zeit an Land um die Gegend ausgiebig zu erkunden. Hier befand sich früher eine Siedlung und die Überreste samt einem Leuchtturm konnten wir bei einer Wanderung besichtigen. Gegen Mittag zeigten sich uns nochmals Grauwale, ehe wir uns vom Festland verabschiedeten und uns auf dem Weg nach Wrangel Island machten. In der Nacht ging ein weiterer Traum in Erfüllung und es zeigten sich uns erstmals Polarlichter am Sternenhimmel. Ein unvergessliches Erlebnis!

Am nächsten Tag wurde es stürmisch und wir verbrachten den Tag mit Vorträgen der anwesenden Wissenschaftler & Naturalisten und genossen natürlich auch das beispiellose Ambiente des Traumschiffes. Zu dieser Jahreszeit gibt es hier in der Tschuktschensee leider kein Eis mehr. Die Klimaerwärmung schlägt hier voll durch. Eine unheimlich traurige Entwicklung. Am Nachmittag beruhigte sich die See zunehmend und wir sichteten die schneebedeckten Berge von Wrangel Island. Die Insel steht unter strengen Naturschutz und es ist nur wenigen Touristen pro Jahr gestattet, diese zu besuchen. Aufgrund Ihrer geografischen Beschaffenheit ist die Vegetation und Tierwelt weltweit einmalig und hier lebten nachweislich auch die letzten Mammuts. Der Tag verabschiedete sich mit einem wunderschönen Sonnenuntergang und der ersten Eisbär Sichtung an Land.

Am nächsten Tag weckte uns abermals die Sonne und wir fuhren am frühen Morgen bei Herald Island mit den Zodiacs raus. Auch hier hatten wir unvorstellbares Glück und konnten inmitten einer tollen Küstenlandschaft sowohl einen Eisbären als auch unzählige Walrosse hautnah erleben. Das Glück blieb uns auch am Nachmittag hold. Wir fuhren zurück zur Hauptinsel und durften am Nachmittag insgesamt 14 Eisbären am Stand bestaunen. Zudem sahen wir wieder Walrosse und unzählige Vögel. Es war atemberaubend und die konzentrierte Anzahl der Raubtiere war wirklich einzigartig. Selbst die Guides waren sprachlos. Was für ein erlebnisreicher erster Tag auf Wrangel Island.

Nach einer nächtlichen Inselumrundung ging die erste Gruppe am frühen Morgen bei Ptichiy Bazar an Land um dort die Flora & Fauna zu erkunden und um vielleicht Moschusochsen zu sichten. Nach kurzer Zeit mussten diese aber wegen Eisbären wieder zurück zum Schiff. Es dürfen in dem Naturschutzgebiet immer nur max. 100 Teilnehmer an Land gehen. Ich hatte diesmal „Pech“ und befand mich in der zweiten Gruppe. Am ausgebuchten Schiff befanden sich ca. 180 Expeditionsteilnehmer. Die Eisbären Population auf Wrangel Island ist sehr hoch und aufgrund ihrer Gefährlichkeit muss immer ausreichend Abstand eingehalten werden. Zudem verfolgten die anwesenden russischen Ranger jede Aktion mit Argusaugen. Leider verschlechterte sich das Wetter zunehmend und alle geplanten Anlandungen mussten abgesagt werden. Wir verbrachten so den Tag mit Vorträgen und durften später noch einige Eisbären an Land sichten.

Am nächsten Tag klappte mein erster Landgang und wir gingen unter Führung eines Ranger gut zwei Stunden durch die Tundra. Es ist erstaunlich, was auf dem Permafrostboden so alles gedeiht. Sogar essbare Pilze wachsen hier. Die Nervosität der Guides stieg schlagartig, als sich uns am Strand ein Eisbär gemütlich näherte. Dieser konnte aber vertrieben werden und wir durften bei auffrischendem Wind und leichten Schneefall unsere Wanderung fortsetzen. Von den Moschusochsen sahen wir nur das Skelett und ein Lebender ließ sich leider nicht blicken. Zum Abschluss unserer Tage auf Wrangel Island durften wir noch die Ansiedlung der Ranger besuchen. Das Leben ist hier schon extrem hart, aber die Atmosphäre wahrlich einzigartig. War ein toller Abschluss und nachdem alle an Bord waren, nahmen wir wieder Kurs in Richtung Provideniya.

Nach einer stürmischen Nacht, war der nächste Seetag wieder ausgefüllt mit sehr interessanten Vorträgen. Das eigentliche Highlight waren die Wale, welche ich zuerst vom Fitnessstudio aus zu Gesicht bekam. Ist mir schon öfter passiert, dass ich während der täglichen Läufe (früh & mittags), diese beeindruckenden Meeresbewohner sehen durfte. Immer wieder ein toller Anblick! Am Nachmittag konnten dann auch die anderen Expeditionsteilnehmer an diesem Glück teilhaben. Eine Unmenge an Buckelwalen kreuzte unseren Weg und wir konnten tolle Fotos machen. So stelle ich mir einen Seetag vor!

Am nächsten Tag mussten wir wieder zurück nach Provideniya und offiziell aus Russland auszureisen. Was für ein sinnfreier, bürokratischer Akt, welcher uns einen halben Tag kostete. Das Wetter war grausig und somit versäumten wir auch nicht wirklich viel. Am Nachmittag steuerten wir bei sehr stürmischer See in Richtung Saint Matthew, USA. Auf dem Weg überquerten wir wieder die Datumsgrenze und durften so den Freitag doppelt erleben. Allerdings mussten wir die Uhr um vier Stunden vorstellen.

Auf dem Weg nach Saint Matthew schüttelte es uns ganz schön durch und die Beringsee zeigte Ihr wahres Gesicht. Leider blieb uns das stürmische Wetter erhalten und es war es uns nicht vergönnt an Land zu gehen! Der Wellengang und der Wind waren einfach zu stark. Schade! Wir setzten uns Reise fort und steuerten nun in Richtung Saint Paul. Einen schönen Sonnenuntergang durften wir am Ende des Tages dann noch genießen.

Die Frustration beim Wetter hielt leider an. Schon am Abend entschied das Expeditionsteam die geplante Anlandung in Saint Paul, wegen der der ungünstigen Lage, sein zu lassen und stattdessen es in St. Georges Island zu versuchen. Hier wäre die Bucht von den Wellen geschützter. Auch hier hatten wir Pech und es war ohne hohes Risiko unmöglich mit den Zodiacs an Land zu gehen. So umrundeten wir die Insel und konnten wenigstens die große Vogelvielfalt und einige Seelöwen bewundern. Das Wetter ist hier einfach Herr im Haus und unberechenbar. Mir war es klar und ich war heilfroh, dass uns die ersten Tage der Wettergott hold war. Danach nahmen wir Kurs auf Dutch Harbor.

Am nächsten Tag strahlten unsere Gesichter beim Anblick der Sonne wieder! Endlich schönes Wetter und dazu ein Landgang in Dutch Harbor. Viele kennen die Doku der Krabbenfischer von Alaska und schon aus diesem Grunde, wollte ich unbedingt mal den Ort besuchen. Wir durften am Pier anlegen und hatten den ganzen Vormittag ausreichend Gelegenheit die von Fischerei geprägt Kleinstadt zu erkunden. Neben zwei interessanten Museum, gab es zu den zahlreichen Booten auch noch eine überaus beeindruckende Naturkulisse zu bewundern. Unmittelbar nach unserer Anlandung zeigt sich schon der erste Weißkopfseeadler und macht es sich auf einer Straßenlaterne bequem. Später sahen wir zwei Weitere. So gegen Mittag liefen wir aus und es dauerte nicht lange bis wir die ersten Buckelwale zu Gesicht bekamen. Ist immer wieder ein tolles Erlebnis und dieses Mal sprangen diese sogar einige Male aus dem Wasser. Nach den Entbehrungen der letzten Zeit, zahlte uns dieser tolle Tag so Einiges wieder zurück! Ein traumhafter Sonnenuntergang vollendete diesen noch.

Wie setzten unsere Reise fort und gingen am frühen Morgen auf Unga Island an Land. Die anfängliche Bewölkung löste sich im Laufe des Vormittags ein wenig auf und lies die Sonne die traumhafte Landschaft der Aleuten erstrahlen. Die Insel an sich bot neben eines verlassenen Dorfes, ein paar Adler und einer Eule ziemlich wenig. Bei der anschließenen längeren Zodiac Fahrt entlang der Küste konnten wir neben der sehr schönen Küstenlandschaft auch einige Seelöwen bestaunen. Diese Tierart zeigte sich uns am Nachmittag in einer Vielzahl nochmals. Schon langsam merkte man, dass die Reise dem Ende entgegen ging. Die ersten Briefings bezüglich der Ausreise standen auf dem Programm und das abendliche elegante Farewell Dinner waren Vorboten davon.

In der Nacht traf uns ein Sturmtief und es schüttelte uns gewaltig durch. Mit Verspätung erreichten wir so Geographic Harbour im Katmai NP und es war leider schnell klar, dass die Bedingungen keine Anlandungen zuliesen! Echt Schade dieses Tour Highlight nicht sehen zu können! Der Kapitän steuerte nun der Küste entlang in der Hoffnung Braunbären an Land zu entdecken. Wir wurden fündig und konnten zumindest von weiter Ferne einige am Fluss stehen sehen. Besser wie Nichts!

In Seward endete unsere Zeit am Schiff und wir gingen am frühen Morgen bei gutem Wetter von Bord. Die gut dreistündige Fahrt nach Anchorage rundete die Reise in Perfektion ab. Die herbstlich bunten Farben der Bäume und die traumhafte Landschaft konnten sich uns nicht besser präsentieren. Nach einer kurzen Stadtrundfahrt und einem Lunch flogen wir am Nachmittag mit Alaska Airlines zurück nach Seattle!

Die Kombination aus einzigartiger Natur, der Abgelegenheit der Region, den vielen netten internationalen Mitreisenden und dem Luxus der Jacht werden wieder unvergesslich bleiben. Meine Erwartungen an die Reise wurden erfüllt, aber nicht übertroffen. Dafür war das Wetter einfach zu instabil.
Bedanken möchte ich mich auch sehr bei der Reederei Ponant und deren erstklassigen Besatzung der Le Boreal mit Ihrem Captain Mickael Debien. Im kommenden Jahr fahre ich wieder mit Ponant. Diesmal unternehme ich eine Mittelamerika Expedition mit National Geographic. Ich freue mich bereits und werde das Schiff ein Jahr vermissen.

  1. Oktober 2019 Jochen Muench
    Alle gezeigten Fotos wurden von mir persönlich gemacht und sich auch online unter:
    http://www.global-adventure.com/Arctic/index.htm

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